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Auswirkungen einer Übertragung des EEWärmeG auf den Bestand

Herausgeber/Institute:

IE Leipzig

Datum:

Juli 2013

Autoren:

Werner Bohnenschäfer et al.

Art der Veröffentlichung:

Studie

Auftraggeber/Förderer:

Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Sachsen-Anhalt

Themenbereiche:

Politik
Ökonomie
Umwelt + Soziales

Schlagwörter:

Energieeffizienz, EEWärmeG, Investitionen, Klimaschutz, Akzeptanz, Biomasse, Geothermie, Wärmemarkt, ökonomische Effekte

Seitenzahl:

183

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Zielsetzung und Fragestellung

Das IE Leipzig untersucht im Rahmen der Studie für das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt die Folgen einer Ausweitung des Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetzes (EEWärmeG) auf den Gebäudebestand in Sachsen-Anhalt. Derzeit fordert das EEWärmeG für den Neubau bestimmte Mindestanteile an Erneuerbaren Energien am Gesamtwärmebedarf oder Ersatzmaßnahmen. Ausgehend von einer Analyse der derzeitigen Wärmeversorgung in Wohn- und Nichtwohngebäuden in Sachsen-Anhalt schätzt die Studie die zusätzlichen Kosten der Wärmeversorgungssysteme und Ersatzmaßnahmen bei Anwendung der Anforderungen des EEWärmeG auf den Gebäudebestand. Daraus leiten die Autoren ökonomische, ökologische und soziale Auswirkungen ab.

Zentrale Ergebnisse

Ausgangslage und Entwicklungsperspektive des Gebäudebestands

Die Autoren rechnen trotz rückgängiger Bevölkerungszahl bis 2020 mit einer leichten Zunahme der Wohnfläche in Sachsen-Anhalt. Die Beheizungsstruktur bleibe grundsätzlich gleich, mit Erdgas als dominierenden Energieträger, gefolgt von Heizöl. Vor allem aufgrund der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung sinke der Endenergiebedarf für Raumwärme bei Wohngebäuden um ca. 15 Prozent gegenüber 2012, verbunden mit ...

Ausgangslage und Entwicklungsperspektive des Gebäudebestands

Die Autoren rechnen trotz rückgängiger Bevölkerungszahl bis 2020 mit einer leichten Zunahme der Wohnfläche in Sachsen-Anhalt. Die Beheizungsstruktur bleibe grundsätzlich gleich, mit Erdgas als dominierenden Energieträger, gefolgt von Heizöl. Vor allem aufgrund der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung sinke der Endenergiebedarf für Raumwärme bei Wohngebäuden um ca. 15 Prozent gegenüber 2012, verbunden mit ...

Ausgangslage und Entwicklungsperspektive des Gebäudebestands

Die Autoren rechnen trotz rückgängiger Bevölkerungszahl bis 2020 mit einer leichten Zunahme der Wohnfläche in Sachsen-Anhalt. Die Beheizungsstruktur bleibe grundsätzlich gleich, mit Erdgas als dominierenden Energieträger, gefolgt von Heizöl. Vor allem aufgrund der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung sinke der Endenergiebedarf für Raumwärme bei Wohngebäuden um ca. 15 Prozent gegenüber 2012, verbunden mit einem verminderten Einsatz fossiler Energieträger und einem Rückgang der CO2-Emissionen um ca. 16 Prozent. Bei Nichtwohngebäuden seien hingegen kaum Veränderungen zu erwarten.
Eine Ausweitung des derzeitigen EEWärmeG auf den Gebäudebestand hätte der Studie nach weitreichende Sanierungen zur Folge. Danach wären in Sachsen-Anhalt je nach Ausgestaltung der Ausweitung zwischen 53 und 97 Prozent der Wohngebäude sowie 66 bis 98 Prozent der Nicht-Wohngebäude betroffen. Im Zeitraum bis 2020 müssten beim angenommenen Sanierungszyklus 20 Prozent der Heizsysteme in Bestandsgebäuden nach Maßstab des EEWärmeG ersetzt oder erweitert werden.


Wirtschaftliche Auswirkungen einer Ausweitung des EEWärmeG

Die Pflicht zur Nutzung Erneuerbarer Energien führe in der Regel zu höheren Vollkosten der Wärmebereitstellung und dementsprechend zu Zusatzbelastungen der Eigentümer und Nutzer. Die höheren Investitionen könnten durch die Energiekosteneinsparungen (bei derzeitigen Energiepreisen) kurz- bis mittelfristig nicht aufgefangen werden.
Die Wirtschaftlichkeitsrechnung ergebe, dass Erdgas-Brennwertthermen und -Niedertemperaturkessel derzeit die kostengünstigsten Heizungssysteme in bestehenden Wohnhäusern seien. Eine Ausweitung des EEWärmeG mit alternativen Heizsystemen würde dementsprechend zu höheren Kosten führen. Für die zugrunde gelegten Modellgebäude kommen die Autoren zu dem Schluss, dass eine Ausweitung des EEWärmeG zu durchschnittlichen Mehrkosten von 660-710 Euro pro Jahr bei Einfamilienhäusern, 1100-1430 Euro pro Jahr bei Mehrfamilienhäusern und 1040-1760 Euro pro Jahr bei Nichtwohngebäuden führe. Je kleiner die Wohnfläche und somit der absolute Wärmebedarf, desto höher würden die Investitions- und Vollkosten je Quadratmeter Wohnfläche ausfallen. Eigentümer bzw. Nutzer von Gebäuden mit geringem Wärmebedarf würden im Falle einer Ausweitung des EEWärmeG auf den Gebäudebestand überdurchschnittlich stark belastet.


Ökologische Auswirkungen einer Ausweitung des EEWärmeG

Die dem EEWärmeG entsprechenden Heizsysteme wiesen ein Treibhausgaseinsparpotenzial von 11 bis 85 Prozent auf gegenüber den am Markt etablierten Technologien. Je nach energetischem Ausgangsniveau der Gebäude führten Wärmedämmung oder der Einsatz Erneuerbarer Energien zu höheren Einsparungen. Insgesamt könnten bis 2020 durch eine Ausweitung des EEWärmeG auf den Gebäudebestand in Sachsen-Anhalt 17 bis 24 Prozent der Treibhausgasemissionen eingespart werden. Ohne eine Ausweitung des Gesetzes würden 12 Prozent Treibhausgasminderung erreicht.
Die Kosten zur Minderung von Treibhausgasen schätzen die Autoren in Nichtwohngebäuden deutlich geringer ein als in Wohngebäuden. Je nach Technologie könnten die Kosten sehr unterschiedlich ausfallen und zwischen einer Nettoeinsparung (Minderungskosten von -109 Euro je Tonne Treibhausgasminderung) und Kosten von 31.572 Euro pro Tonne Treibhausgasminderung liegen. Je niedriger der absolute Wärmebedarf, desto höher seien die durch eine Erweiterung des EEWärmeG induzierten Kosten der Treibhausgasminderung. Unter dem Aspekt der Kapitaleffizienz bevorzugen die Autoren daher Maßnahmen in Mehrfamilienhäusern und Nichtwohngebäuden.


Soziale Auswirkungen einer Ausweitung des EEWärmeG

Hinsichtlich der sozialen Auswirkungen kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass rund 42 Prozent der Haushalte Sachsen-Anhalts die finanziellen Freiräume zur Finanzierung der Anfangsinvestitionen in ein neues Heizungssystem aufwiesen. 41 Prozent der Haushalte könnten die Anfangsinvestitionen (sofern sie über Wohneigentum verfügten) hingegen nicht tragen. Besonders bei Einfamilienhäusern seien hohe Sparanstrengungen nötig, um die Investitionen decken zu können, während bei Mehrfamilienhäusern und Nichtwohngebäuden am ehesten finanzielle Spielräume vorhanden seien.

Unter den angenommenen Sanierungszyklen mit einem Austausch von 20 Prozent der Heizsysteme bis 2020 würde die Ausweitung des EEWärmeG auf den Gebäudebestand zusätzliche Wärme-Vollkosten von insgesamt etwa 115 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 bewirken (je Anwendungsfall: Einfamilienhaus ca. 690 EUR/a; Mehrfamilienhaus ca. 1.550 EUR/a; Nichtwohngebäude ca. 2.600 EUR/a). Aus Sicht der Autoren wäre diese Mehrbelastung für einen Großteil der Bevölkerung Sachsen-Anhalts nicht tragbar.

Zentrale Annahmen und Thesen

Ausgangslage und Entwicklungsperspektive des Gebäudebestands

Die Autoren rechnen mit einer Trendfortschreibung bei den folgenden Einflussfaktoren: Anhaltender Rückgang der Bevölkerung; Zubau von (größeren) Einfamilienhäusern und Rückgang von (größeren) Mehrfamilienhäusern; gleichmäßige Baualtersverteilung; (statistisch ermittelte) Sanierungsrate von ca. 1 %; Rückgang des Raumwärmebedarfs; gleichbleibende Beheizungsstruktur (hauptsächlich Erdgas). Die Berechnungen für Nichtwohngebäude basieren auf Annahmen für den Raumwärmebedarf je Angestellten in verschiedenen Branchen.
Die Ermittlung der durch ...

Ausgangslage und Entwicklungsperspektive des Gebäudebestands

Die Autoren rechnen mit einer Trendfortschreibung bei den folgenden Einflussfaktoren: Anhaltender Rückgang der Bevölkerung; Zubau von (größeren) Einfamilienhäusern und Rückgang von (größeren) Mehrfamilienhäusern; gleichmäßige Baualtersverteilung; (statistisch ermittelte) Sanierungsrate von ca. 1 %; Rückgang des Raumwärmebedarfs; gleichbleibende Beheizungsstruktur (hauptsächlich Erdgas). Die Berechnungen für Nichtwohngebäude basieren auf Annahmen für den Raumwärmebedarf je Angestellten in verschiedenen Branchen.
Die Ermittlung der durch ...

Ausgangslage und Entwicklungsperspektive des Gebäudebestands

Die Autoren rechnen mit einer Trendfortschreibung bei den folgenden Einflussfaktoren: Anhaltender Rückgang der Bevölkerung; Zubau von (größeren) Einfamilienhäusern und Rückgang von (größeren) Mehrfamilienhäusern; gleichmäßige Baualtersverteilung; (statistisch ermittelte) Sanierungsrate von ca. 1 %; Rückgang des Raumwärmebedarfs; gleichbleibende Beheizungsstruktur (hauptsächlich Erdgas). Die Berechnungen für Nichtwohngebäude basieren auf Annahmen für den Raumwärmebedarf je Angestellten in verschiedenen Branchen.
Die Ermittlung der durch eine Ausweitung des EEWärmeG betroffenen Fallzahlen beruht auf der Annahme, dass alle Gebäude, die ausschließlich durch fossile Energieträger beheizt werden, vom EEWärmeG erfasst würden.


Wirtschaftliche, ökologische und soziale Auswirkungen einer Ausweitung des EEWärmeG

Für den ökonomischen und ökologischen Vergleich der Heizungsmodelle werden verschiedene Modellgebäude stilisiert. Die drei Gebäudetypen Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus und Nichtwohngebäude werden mit jeweils drei unterschiedlichen, für den Gebäudebestand repräsentativen, Wärmestandards definiert. Die Gebäudetypen unterscheiden sich in Wohnfläche/Gewerbefläche sowie Anzahl der Bewohner/Beschäftigte. Die drei Wärmestandards sind bei den Gebäudetypen identisch und repräsentieren Altbauten (unsaniert), teilsanierte Altbauten (teilsaniert) und relativ neue Bauten, die als saniert angesehen werden, jedoch dem Gebäudebestand zuzuordnen sind. Hieraus wird je Modellgebäude der Endenergiebedarf für 17 verschiedene Heizsysteme berechnet.
Die Vollkostenrechnung anhand der Annuitätsmethode legt einen Betrachtungszeitraum von 20 Jahren und einen Kalkulationszinssatz von 4 % zugrunde. Für die Ermittlung der verbrauchsgebundenen Kosten nehmen die Autoren an, dass die realen Preise von Energieträgern konstant bleiben. Für Blockheizkraftwerke werden Einnahmen aus der Stromproduktion berücksichtigt.
Die Einschätzung der ökologischen Wirkung basiert auf den CO2-Äquivalenz Werten der Datenbank GEMIS 4.8, wobei für Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen die Wärme-Restwert-Methode angewendet wird. Für die Einschätzung der sozialen Aspekte wird angenommen, dass die realen Einkommen bis zum Jahr 2020 konstant bleiben. Im Hinblick auf die Sanierungsaktivitäten geht die Studie davon aus, dass bei einer Ausweitung des EEWärmeG auf den Gebäudebestand bis zum Jahr 2020 20 Prozent der aktuellen Heizsysteme im Gebäudebestand Sachsen-Anhalts ersetzt werden müssten.

Methodik

Ausgangslage und Entwicklungsperspektive des Gebäudebestands

Unter Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren ermitteln die Autoren für das Jahr 2012 den Endenergieverbrauch und die CO2-Bilanz für Raumwärme in Wohn- und Nichtwohngebäuden in Sachsen-Anhalt und schätzen die Entwicklung bis zum Jahr 2020. Die Abschätzung erfolgt auf Grundlage von Daten und Annahmen zu Bevölkerungsentwicklung, Gebäudebestand (differenziert nach Gebäudetypen, Baualtersklassen und Sanierungszustand) und Beheizungsstruktur sowie der Aktivitätsgrößen Sanierungsrate (Voll- und Teilsanierungen), Kesselaustausch und ...

Ausgangslage und Entwicklungsperspektive des Gebäudebestands

Unter Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren ermitteln die Autoren für das Jahr 2012 den Endenergieverbrauch und die CO2-Bilanz für Raumwärme in Wohn- und Nichtwohngebäuden in Sachsen-Anhalt und schätzen die Entwicklung bis zum Jahr 2020. Die Abschätzung erfolgt auf Grundlage von Daten und Annahmen zu Bevölkerungsentwicklung, Gebäudebestand (differenziert nach Gebäudetypen, Baualtersklassen und Sanierungszustand) und Beheizungsstruktur sowie der Aktivitätsgrößen Sanierungsrate (Voll- und Teilsanierungen), Kesselaustausch und ...

Ausgangslage und Entwicklungsperspektive des Gebäudebestands

Unter Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren ermitteln die Autoren für das Jahr 2012 den Endenergieverbrauch und die CO2-Bilanz für Raumwärme in Wohn- und Nichtwohngebäuden in Sachsen-Anhalt und schätzen die Entwicklung bis zum Jahr 2020. Die Abschätzung erfolgt auf Grundlage von Daten und Annahmen zu Bevölkerungsentwicklung, Gebäudebestand (differenziert nach Gebäudetypen, Baualtersklassen und Sanierungszustand) und Beheizungsstruktur sowie der Aktivitätsgrößen Sanierungsrate (Voll- und Teilsanierungen), Kesselaustausch und Hydraulischer Abgleich.
Im zweiten Schritt schätzen die Autoren auf Grundlage der Wärmesysteme, welcher Teil des Gebäudebestands (Fallzahlen) von einer Ausweitung des EEWärmeG auf den Gebäudebestand betroffen wäre.


Wirtschaftliche, ökologische und soziale Auswirkungen einer Ausweitung des EEWärmeG

Zur Berechnung der wirtschaftlichen Auswirkungen vergleichen die Autoren die Vollkosten von zulässigen Technologien des EEWärmeG mit den Kosten der derzeit vorherrschenden Heizsysteme im Gebäudebestand. Berücksichtigt werden kapitalgebundene, verbrauchsgebundene und betriebsgebundene Kosten. Der Vergleich wird anhand der Annuitätsmethode für Modellgebäude der drei Gebäudetypen Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus, Nichtwohngebäude in unterschiedlichen Sanierungsstadien (unsaniert, teilsaniert oder vollsaniert) vorgenommen.

Zur ökologischen Analyse einer Ausweitung des EEWärmeG auf den Bestand bilanzieren die Autoren die vermiedenen Treibhausgasemissionen und die Treibhausgasminderungskosten. Die Schätzungen werden für die Modellgebäude vorgenommen, die auch in der ökonomischen Analyse zugrunde gelegt werden. Anhand verfügbarer Daten zu den Treibhausgasemissionen verschiedener Energieträger werden die Treibhausgasemissionen der zulässigen Heizsysteme nach EEWärmeG mit denen der am Markt etablierten Heizsysteme verglichen.

Für Investitionsentscheidungen aufgrund einer Ausweitung des EEWärmeG werden zwei Szenarien zugrunde gelegt. Im „Wirtschaftlichen Szenario“ entscheiden sich Gebäudeeigentümer für ein EEWärmeG-konformes Heizsystem mit den geringsten Vollkosten. Im „Ökologischen Szenario“ wird das Heizsystem mit den geringsten Treibhausgasemissionen gewählt. Anhand der vorher durchgeführten Kostenanalyse für die verschiedenen Heizsysteme des EEWärmeG werden ferner für die verschiedenen Heizsysteme Effizienzwerte (Minderungskosten in Euro proTonne CO2) für die Reduzierung von Treibhausgasen berechnet.

Im letzten Schritt werden die sozialen Auswirkungen der zusätzlichen Investitions- und Vollkosten für Heizungssysteme in den sozialen Gruppen und Einkommensklassen Sachsen-Anhalts diskutiert und bewertet.

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