Entwicklung der Brennstoffpreise fossiler Rohstoffe

Metaanalyse zur Brennstoffpreisentwicklung fossiler Rohstoffe in verschiedenen Studien und Vergleich mit der bisherigen Entwicklung

Was kostet die fossile Energieversorgung? 

Die öffentliche Diskussion in Medien und Politik dreht sich immer häufiger um die finanziellen Auswirkungen der deutschen Klimaschutzpolitik und insbesondere der Förderung der Erneuerbaren Energien. Kritiker mahnen, die Kosten liefen aus dem Ruder. Tatsächlich ist die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz in den letzten Jahren stark gestiegen und wird in nächster Zeit noch weiter wachsen. Die „Bezahlbarkeit der Energiewende“ gilt daher inzwischen vielen als oberste Priorität der Energiepolitik. Manch einer fordert aus Angst vor steigenden Energiekosten eine Einschränkung oder gar eine Abkehr von der Förderung der Erneuerbaren Energien. 

Aber wäre es für unsere Volkswirtschaft tatsächlich kostengünstiger, weiter auf fossile Energieträger zu setzen? Die Gegner der Erneuerbaren Energien untermauern ihre Argumentation durch wirtschaftswissenschaftliche Studien und Berechnungen, die hohe Kosten für die Förderung Erneuerbarer Energien ausweisen. Aber auch die Akteure, die weiterhin die Notwendigkeit und die wirtschaftlichen Chancen der Energiewende und der Förderung Erneuerbarer Energien betonen, berufen sich auf wissenschaftliche Studien. Sie argumentieren, die heutigen Mehrkosten der Erneuerbaren Energien seien als notwendige Investitionen zu betrachten, damit unsere Volkswirtschaft langfristig von einer Energieversorgung profitiert, die kostengünstiger, sicherer und kalkulierbarer ist als ein fossil-nukleares Vergleichssystem. 

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, worin sich die verschiedenen Studien unterscheiden, auf die sich Kritiker und Befürworter von Klimaschutz und Energiewende jeweils stützen. Ein wesentlicher Bestimmungsfaktor für die Mehrkosten (= Differenzkosten) der Erneuerbaren Energien sind die Preise fossiler Brennstoffe. Je niedriger die zukünftigen Kosten der fossilen Energieversorgung angenommen werden, desto höher liegen im Vergleich die Kosten für den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Vor diesem Hintergrund stellt das vorliegende Grafikdossier die Annahmen verschiedener Studien und Szenarien zu den künftigen Importpreisen von Rohöl, Erdgas und Steinkohle einander gegenüber. Der Studienvergleich nimmt dabei keine Analyse und Bewertung der dargestellten Szenarien vor, sondern beschränkt sich auf eine transparente Darstellung der den Studien zugrunde liegenden Annahmen. Dies trägt dazu bei, die sehr unterschiedlichen Aussagen zu den Kosten Erneuerbarer Energien besser nachvollziehen zu können. Um den Nutzerinnen und Nutzern eine eigene Bewertung der Studien zu erleichtern, stellen die Grafiken auch die tatsächliche Preisentwicklung zwischen 2000 und 2011 dar. 

Methodik und Berechnungsgrundlagen des Studienvergleichs

Die untersuchten Studien verwenden unterschiedliche Währungen, Energieeinheiten und Zeitbezüge für die Angabe der Brennstoffpreise. Um die Werte gegenüberstellen zu können, ist daher eine Umrechnung in einheitliche Größen erforderlich. Die Darstellung der Ergebnisse erfolgt für jeden Energieträger in zwei Varianten:
•    Rohöl: Euro pro Tonne und Euro pro Gigajoule
•    Erdgas: Cent pro Kilowattstunde und Euro pro Gigajoule
•    Steinkohle: Euro pro Tonne und Euro pro Gigajoule.
Es handelt sich dabei um „reale“ Preise mit Preisbasis 2010 . Die angenommene Inflationsrate beträgt zwei Prozent pro Jahr (%/a). Für die Umrechnung von Dollarangaben in Euro wird angenommen, dass ein US-Dollar 0,77 Euro entspricht. Weitere relevante Umrechnungsfaktoren sind: 
•    Ein Barrel Rohöl entspricht 0,136 Tonnen Rohöl.
•    Eine Tonne Rohöl entspricht 41,869 Gigajoule.
•    Ein MBtu bzw. mmBtu (British Thermal Unit) Erdgas entspricht 0,293 Kilowattstunden bzw. 1,055 Megajoule.
•    Eine Tonne Steinkohleeinheit entspricht 29,308 Gigajoule.

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Claudia Kunz schrieb am 03.12.2014 09:55

Die enorme Bandbreite an Annahmen zur Preisentwicklung finde ich sehr beeindruckend. Es erweckt schon den Eindruck, dass die Ergebnisse der Studien sowohl auf der einen Seite der Extremwerte, als auch auf der anderen Seite ein Stück weit vorweggenommen werden. Betrachten es die Herausgeber der Studien mit den sehr niedrigen Preiserwartungen wirklich als realistisch, dass die Brennstoffpreise noch einmal deutlich sinken werden? Die einzige preisdämpfende Wirkung kann doch nur ein erheblicher Rückgang der Nachfrage haben. So wünschenswert es für das Klima ist, aber ist damit im globalen Maßstab kurz- bis mittelfristig zu rechnen?