Bedarf an steuerbaren Kapazitäten im Stromsystem

Grafikdossier zum künftigen Bedarf an steuerbaren Kapazitäten bzw. konventioneller Kraftwerksleistung

Für die Versorgungssicherheit im Stromsystem ist es erforderlich, dass Strombereitstellung und Stromverbrauch (Last) jederzeit im Gleichgewicht stehen. In der Vergangenheit wurde das gewährleistet, indem die Nachfragekurve bedarfsgerecht von Grund-, Mittel- und Spitzenlast-kraftwerken bedient wurde. Mit der Energiewende wird Strom aber zunehmend von Energie¬quellen wie Wind und Sonne bereitgestellt, die nicht stetig zur Verfügung stehen. Um die Versorgungssicherheit auch in der sogenannten „dunklen Flaute“ zu gewährleisten, müssen in ausreichendem Umfang konventionelle Kraftwerke bzw. steuerbare Kapazitäten (umfasst neben Kraftwerken auch Speicher und Lastmanagementpotenziale) bereitstehen. Die Frage, wie viele und welche steuerbaren Kapazitäten künftig gebraucht werden, um die Last zuverlässig zu decken, nimmt daher einen wichtigen Stellenwert in der aktuellen energiepolitischen Debatte ein.

Die Bedeutung des Themas zeigt sich an der Diskussion um die Weiterentwicklung des Marktdesigns und zur Einführung von Kapazitätsmechanismen im Strommarkt, die von einigen Akteuren als eine notwendige regulatorische Weichenstellung gefordert werden. Durch Kapazitätsmechanismen würden Kraftwerksbetreiber Zahlungen für die Bereitstellung von Erzeugungsleistung erhalten, was aktuell nur in wenigen Marktsegmenten (Regelenergiemarkt, strategische Reserve) der Fall ist. Diese Kapazitätszahlungen sollen die finanzielle Unterdeckung der Kraftwerke im aktuellen „Energy-Only-Markt“ ausgleichen. Hintergrund ist die Sorge, dass bestehende Kraftwerke aus ökonomischen Erwägungen stillgelegt werden und Neuinvestitionen unterbleiben. Wenn das zu einem Defizit an steuerbaren Kapazitäten zur Ergänzung der fluktuierenden Erneuerbaren Energien führen sollte, würde das die Versorgungssicherheit gefährden.

Die Antwort auf die Frage, wie viele und welche Kapazitäten künftig benötigt werden, hängt von verschiedenen Einflussfaktoren ab. Hierzu gehören insbesondere die Entwicklung der Jahreshöchstlast, die Bereitstellung gesicherter Leistung durch Erneuerbare Energien und die Potenziale des Lastmanagements. Auf dieser Grundlage lässt sich der Bedarf an steuerbaren Kapazitäten errechnen. Inwieweit aus dem ermittelten Kapazitätsbedarf auch ein Investitionsbedarf resultiert, ergibt sich aus der insgesamt installierten Kraftwerksleistung, den bevorzugten Technologiemixen sowie aus Annahmen zum Zubau bzw. der Stilllegung von Kraftwerken. Verschiedene energiewirtschaftliche Studien nehmen hier nicht nur verschiedene Perspektiven ein, sondern ihre Schlussfolgerungen z.B. hinsichtlich der Notwendigkeit und möglichen Ausgestaltung von Kapazitätsmechanismen hängen auch stark von den Prämissen zu den genannten Einflussgrößen ab. Zur Erhöhung der Transparenz in der energiepolitischen Debatte stellt der vorliegende Studienvergleich die Ergebnisse verschiedener wissenschaftlicher Veröffentlichungen gegenüber.

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